Wie eine Wärmepumpe funktioniert
Eine Wärmepumpe „erzeugt" keine Wärme – sie transportiert sie. Sie entzieht der Umwelt (Luft, Erde oder Wasser) Wärme auf niedrigem Temperaturniveau, „pumpt" sie mit etwas Strom auf ein nutzbares Niveau und gibt sie im Haus ab. Das ist exakt das Prinzip Deines Kühlschranks – nur nutzt Du hier die warme Seite.
Der Kältekreislauf hat vier Stationen:
- Verdampfer: Umweltwärme lässt das Kältemittel verdampfen.
- Verdichter (Kompressor): verdichtet den Dampf – dabei steigt die Temperatur stark. Hier fließt der Strom.
- Verflüssiger: gibt die Wärme ans Heizsystem (oder die Raumluft) ab.
- Expansionsventil: entspannt das Kältemittel, der Kreislauf beginnt von vorn.
Die JAZ: die eine Zahl, die wirklich zählt
Wie gut eine Wärmepumpe arbeitet, sagt die Jahresarbeitszahl (JAZ). Sie ist das Verhältnis aus erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom – gemessen über ein ganzes Jahr in der realen Anlage. Eine JAZ von 4,0 heißt: Aus 1 kWh Strom werden 4 kWh Heizwärme.
Wichtig – und ehrlich: Die JAZ ist der reale Feldwert Deiner Anlage. Auf dem Datenblatt steht meist der genormte Laborwert SCOP (Seasonal Coefficient of Performance). Der SCOP ist ein guter Vergleichswert beim Kauf, die JAZ zeigt, was im Betrieb wirklich herauskommt. Als Orientierung gilt: Luftwärmepumpen ab JAZ ~3, Erd-/Grundwasser-Wärmepumpen sollten für Wirtschaftlichkeit eher ~4 erreichen. Fraunhofer-Feldmessungen bestätigen diese Bereiche.
Du kennst SCOP schon von der Kühlseite? Dann lies die Vertiefung: SCOP & SEER erklärt →
Die vier Wärmepumpen-Typen
Der erste Teil des Namens nennt die Wärmequelle, der zweite das Abgabemedium. „Sole-Wasser" heißt also: Wärme aus dem Erdreich (Sole), Abgabe ans Heizungswasser.
Luft-Wasser-Wärmepumpe
Wärme aus der Außenluft
Ein Ventilator saugt Außenluft an; das Kältemittel nimmt ihr die Wärme, der Verdichter hebt sie aufs Heiztemperatur-Niveau und gibt sie ans Heizungswasser (Heizkörper/Fußbodenheizung) ab.
- günstigste Anschaffung, keine Erdarbeiten/Bohrung
- in fast jedem Bestandsgebäude nachrüstbar
- schnell installiert, ~95 % Marktanteil
- Effizienz sinkt bei starker Kälte (mehr Stromverbrauch)
- Außeneinheit macht Geräusch (TA-Lärm beachten)
Am besten für: die meisten Bestandsgebäude & Sanierungen
Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme)
Wärme aus dem Erdreich
Ein Frostschutz-Gemisch (Sole) zirkuliert durch Erdkollektoren (horizontal, ~1,2–1,5 m tief) oder Erdsonden (vertikal, bis ~100 m) und holt die ganzjährig konstante Erdwärme (7–13 °C) nach oben.
- sehr effizient dank konstanter Erdtemperatur
- leiser Betrieb, keine sichtbare Außeneinheit
- niedrige Betriebskosten über die Lebensdauer
- hohe Erschließungskosten (Bohrung/Aushub)
- Genehmigung nötig, Grundstück muss passen
Am besten für: Neubau oder Sanierung mit ausreichend Grundstück
Wasser-Wasser-Wärmepumpe (Grundwasser)
Wärme aus dem Grundwasser
Über einen Saug- und einen Schluckbrunnen wird Grundwasser (ganzjährig 8–12 °C) an- und wieder abgeführt. Es ist die konstanteste und wärmste Quelle – daraus resultiert die höchste Effizienz.
- höchste Effizienz aller Wärmepumpen-Typen
- sehr niedrige Betriebskosten
- konstant hohe Leistung auch im Winter
- nur bei geeignetem, ausreichendem Grundwasser
- wasserrechtliche Genehmigung + zwei Brunnen nötig
Am besten für: Grundstücke mit gutem, genehmigungsfähigem Grundwasser
Luft-Luft-Wärmepumpe
Wärme direkt in die Raumluft
Technisch ein Split-Klimagerät im Heizbetrieb: Es überträgt die Wärme direkt an die Raumluft – ohne wasserführendes Heizsystem. Dieselbe Anlage kühlt im Sommer.
- günstig, schnell installiert, kühlt UND heizt
- ideal für gut gedämmte Räume & als Ergänzung
- genehmigungsärmer als wasserführende Systeme
- keine Warmwasserbereitung möglich
- weniger effizient bei sehr niedrigen Temperaturen
Am besten für: einzelne Räume, gut gedämmte Häuser, Kühlen + Heizen in einem
Kosten & JAZ sind grobe Orientierungswerte (inkl. Einbau, vor Förderung) aus aktuellen Marktquellen – konkret entscheiden Gebäude, Heizsystem und Angebot. Wir erfinden keine Werte; Details prüfst Du am jeweiligen Angebot.
Die Typen auf einen Blick
| Typ | Wärmequelle | JAZ | Kosten (inkl. Einbau) | Am besten für |
|---|---|---|---|---|
| Luft-Wasser | Außenluft | 2,5–4,0 | 25.000–40.000 € | die meisten Bestandsgebäude |
| Sole-Wasser | Erdreich | 3,5–4,5 | 40.000–60.000 € | Neubau/Grundstück vorhanden |
| Wasser-Wasser | Grundwasser | 4,0–5,0 | 40.000–50.000 € | gutes Grundwasser vorhanden |
| Luft-Luft | Außenluft → Raumluft | ~3,0–4,0 | 3.000–8.000 € | einzelne Räume, Kühlen + Heizen |
Die Klimaanlage, die heizt: die Luft-Luft-Wärmepumpe
Der wichtigste Aha-Moment: Eine Split-Klimaanlage ist bereits eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Dieselbe Anlage, die im Sommer kühlt, dreht den Kältekreislauf im Winter einfach um und heizt. Wer ohnehin über Kühlung nachdenkt, bekommt die Heizfunktion oft gratis dazu.
Passt eine Wärmepumpe zu Deinem Haus?
Prüfe zuerst kostenlos die Eignung – oder fordere direkt unverbindliche Angebote von geprüften Fachbetrieben an.
Aus dem Rhein-Main-Gebiet? → Wärmepumpe in Frankfurt am Main
Kosten & Förderung – lohnt sich das?
Eine Wärmepumpe kostet inklusive Einbau je nach Typ grob zwischen 3.000 € (Luft-Luft, einzelne Räume) und 60.000 € (Erdwärme mit Bohrung). Klingt viel – aber der Staat fördert den Heizungstausch aktuell mit bis zu 70 %, und die Betriebskosten liegen deutlich unter einer Gasheizung.
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